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Bericht aus dem Leverkusener Stadtanzeiger

 
Während der Geisterbeschwörung schaut Dunja Kutschat (rechts) gebannt, ob der Gauss-Master ausschlägt. Foto: Ralf Krieger

Gespenst – da war doch was. Genau, Geschichten nach ähnlichem Strickmuster, von dem ein ganzes Genre der Gruselliteratur lebt: Unglückliche Adelige sind verdonnert, über die Jahrhunderte anderen einen Schrecken einzujagen. Sozial veranlagte Menschen versuchen zu verstehen und fragen nach dem Unglück, das dahintersteht. Und Schriftsteller von Henrik Ibsen bis Oscar Wilde haben ganze Bücher mit Gespenstergeschichten gefüllt. Während aus Großbritannien in regelmäßigen Abständen eine Kurzmeldung über den Kanal kommt, dass ein Gespenst am Tresen eines alteingesessenen Pubs gesichtet wurde, wird hierzulande über solcherlei Seemannsgarn gerne gelächelt.

Für Fritz Emslander, Kurator am Museum Morsbroich, steht aber fest, dass es weitaus schwieriger sein dürfte, die Nichtexistenz von Gespenstern zu beweisen, als das Gegenteil. Er steckt gerade in den Vorbereitungen zur Ausstellung „Zeitgespenster – Erscheinungen des Übernatürlichen in der zeitgenössischen Kunst“, die Ende Oktober beginnen soll. Eine Lichtinstallation von Werner Reiter im Spiegelsaal soll es geben, und Sue de Beer richtet eine Spukkammer ein. Aber das Tollste hat wohl Wolfgang Gierden, Hausmeister auf Schloss Morsbroich, zu sagen. Er wohnt auf dem Gelände und in seiner Küche spielten Toaster und Fritteuse mehrfach verrückt. Plötzlich platzten die Glühbirnen, und die Energieversorgung war mit ihren Latein schnell am Ende.

Alarm nur nachts

 
 
Ein Ghostwriter im Spiegelsaal.
Ein Ghostwriter im Spiegelsaal.
Foto: Ralf Krieger

Mitte der 80er Jahre wurde im Schloss ein Aufzug eingebaut. Und daraufhin ging es laut Gierden rund. „Da wurde immer wieder nachts der Alarm ausgelöst, weil der Fahrstuhl rauf und runter fuhr.“ Es war aber niemand im Haus. Ein Satz, den Melanie Schindler von den Ghosthunters NRW, ein ehrenamtlicher Zusammenschluss von Geistersuchern, so nicht stehen lässt. Im verdunkelten Herrenzimmer fragen sie und ihre Kolleginnen Dunja Kutschat und Irene Becker bei den Verstorbenen Agnes und Friedrich von Diergardt nach, ob sie es vielleicht waren, die den Fahrstuhl bedienten. „Das ist der komische Kasten, der rauf und runterfährt“, übersetzt Kutschat für technisch nicht eingeweihte Gespenster. Die Antwort bleibt aus. Aber Gierden weiß, dass jeden Abend ein Hauptschalter umgelegt werden muss, da kein Techniker bislang das Problem des Geisterfahrstuhls in den Griff bekommen habe.

„Der Stadt wurde das auf Dauer zu teuer, immer jemanden rauszuschicken.“ Kostenlos ist die Arbeit der Ghosthunters. Sie verkabelten Spiegelsaal, Damen- und Herrenzimmer, stellten Kameras auf, machten Videos und Fotos und werten in dieser Woche alles am Computer aus. Der Bericht soll zur Ausstellungseröffnung vorliegen. Emslander stieß durch Medienberichte auf die Damen, die mit einem Medium in Kontakt treten wollen. Schindler erklärt, dass ihr Team schon manchem Zeitgenossen geholfen habe, der Gespenster in seiner Gegenwart wähnte.

Geisterjäger nehmen ihre Arbeit sehr ernst

 
 
Melanie Schindler (vorne), Dunja Kutschat und Irene Becker bereiten im Morsbroicher Kaminzimmer die Kameras vor.
Melanie Schindler (vorne), Dunja Kutschat und Irene Becker bereiten im Morsbroicher Kaminzimmer die Kameras vor.
Foto: Ralf Krieger

 

In der Wohnung eines Paars, das ohne Arbeit und meist zu Hause war, soll es einen Schatten gegeben habe, der immer auftrat, wenn die Frau unter die Dusche ging. „Die hatten eine Gastherme, von der viel Energie ausging“, deutet Schindler. Sie nimmt ihre Arbeit sehr ernst, in dunkler Tischrunde stellt sie Fragen in den Raum. Alltagsgeräusche wie vom Rauchmelder, Heizung oder Hochzeitfeier im benachbarten Restaurant können die Geisterjäger herausfiltern. Sie sind auf der Suche etwa nach Klopfzeichen. „Die können wir später manchmal am Computer feststellen“, sagt Schindler.  

 

Laut Emslander, der sich mit der Materie befasste, hat gut die Hälfte der Deutschen mindestens einmal im Leben eine paranormale Erfahrung gemacht, jeder Sechste hatte ein Spukerlebnis oder eine Geisterscheinung. Auf die Frage, ob er nun gemäß dem Spruch „Die Geister, die ich rufe“ mit Esoterik- und Gruselfans zur Ausstellung rechne, gibt er sich aber erstaunlich eindeutig: „Nein.“  


 


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